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Die Mühle Eiling in Warstein Sichtigvor

“Wassermühlen im Kreis Soest” von Hartmut Platte, 1994, Börde Verlag, Werl
Auszug mit freundlicher Genehmigung vom 02.02.2016:

Im Warsteiner Stadtteil Sichtigvor liegt am Müh­lengraben die alte Sichtig­vorer Wassermühle. Der Mühlengraben kann nicht als eigener Fluß bezeichnet werden, denn er verläßt die Möhne einige hundert Meter östlich von Sichtigvor und mündet schon etwa 300 Meter unterhalb der Wassermühle in die Möhne. Das Wasseraufkommen ist rela­tiv hoch, so daß sich die An­lage einer Wassermühle an dieser Stelle schon im Mit­telalter gelohnt hat. Im Jah­re 1266, bei der Übergabe der Besitzung Mülheim an den Deutschen Orden, wur­de diese Mühle erwähnt. Dem Deutschen Orden ge­hörte die Kommende Mühl­heim, wo Ordensangehöri­ge auf ihren Einsatz bei der Missionierung des Ostens vorbereitet wurden.

Im Verlaufe der Säkulari­sation kam die Besitzung 1809 in das Eigentum des hessischen und 1816 des preußischen Staates. Die gräflich v. Kielmannsegge­sche Verwaltung erwarb die Sichtigvorer Mühle vom preußischen Staat und blieb Eigentümerin derselben bis zum Jahre 1911. Nachfolgerin war die adelige Fami­lie von Nagel, der auch das Haus Welschenbeck bei Belecke gehört. Heutiges Eigentümer der Wassermühle ist Josef Freiherr von Nagel-Doornick. Die Mühle war früher ein Mahlwerk mit drei Mahlrädern und drei Mahlgängen, wurde 1724 renoviert, erlebte mehrere Brände, erhielt um 1905 statt der Wasserräder ein Turbine, Walzenstühle und 1912 die zweite Turbi­ne. 1953 wurde sie mit einer vollautomatischen Mahlan­lage mit einer 9 Leistung von vier bis fünf Tonnen versehen.

Die Säge entwickelte sich aus dem ursprüngli­chen Bocksägebetrieb mit Hand-, Wasserradbedienung zu einem Gatterwerk und wurde 1957 zu einem Vollgatterwerk mit allen Nebenmaschinen ausge­baut. Die Sägemühle existiert seit Anfang der 1970er Jahre nicht mehr.

Im Jahre 1955 pachtete der Müllermeister Bruno Eiling (1918-1986) aus Rin­kerode die Wassermühle. Vorheriger Pächter war Herbert Schlotmann aus Lippstadt. Heutiger Pächter ist der Sohn von Bruno Ei­ling, Bernhard (geb. 1952), der mit Monika geb. Kel­lerhoff verheiratet ist. “Mein Vater mußte sehr viel investieren, um den de­solaten Mühlenbetrieb wie­der in Gang zu setzen”, be­richtet Bernhard Eiling.

Zusammen mit seiner Frau, die ihm bei der Erle­digung der Büroarbeiten hilft, betreibt Bernhard Ei­ling die traditionsreiche Wassermühle. Ihren Wohn­sitz haben die Eilings in­zwischen in Allagen. An Fremdpersonal ist hin und wieder eine Hilfskraft stun­denweise beschäftigt. Ob einer der beiden Söhne der Eheleute Eiling später in die Fußstapfen des Vaters treten wird, ist sehr unge­wiß. „Die Müllerei ist auf­grund der durch Großbe­triebe gedrückten Preise al­leine kaum noch lebensfä­hig, sagt Bernhard Eiling.

Sein Pachtbetrieb steht daher wirtschaftlich „auf drei Beinen”: Mehlmülle­rei, Kleinverkauf und Stromerzeugung. Die Stromerzeugung ist inzwi­schen zu einem wichtigen Bestandteil des Betriebs ge­worden. Wurden im Jahre 1989 noch 116.000 kW in las Netz der VEW einge­speist, so waren es 1990 schon 143.000 kW. Der Ei­genbedarf des Mühlenbe­triebes wird zu 80 Prozent durch die Wasserkraft ab­gedeckt.

Auch der Kleinverkauf ist nicht zu unterschätzen, da inzwischen alle Filialen der Genossenschaften in den Nachbarorten geschlossen haben. Gemahlen wild aus­schließlich Roggen, der größtenteils von den Bauern auf der Haar aufgekauft wird. Zum Einsatz kommen zwei Francis-Turbinen (42,5 und 27 PS) mit liegender Welle. Das pittoreske Wasserrad am Mühlengra­ben hat keine Funktion. Es wurde vom Heimatverein Mülheim-Sichtigvor-Wald­hausen zur Zierde ange­legt. Die Sichtigvorer Müh­le hat heute eine Kapazität von zehn Tonnen Getreide in 24 Stunden. Die Auslie­ferung des Mehls erfolgt zur Zeit je zur Hälfte lose mit dem Silowagen oder verpackt als Sackware. Zu erwähnen wäre noch, daß der Müllerberuf in der Fa­milie Eiling seit dein Jahre 1600 nachweisbar ist.”